… und den Gedanken nach Norwegen! So ähnlich könnte man in Kurzform beschreiben, was ich neulich – seit langem mal wieder – gemacht habe. Zwar werfe ich eigentlich täglich den einen oder anderen Blick auf die Webcams, die rund um die Kieler Förde und den Nordostseekanal unter kielmonitor.de im Internet zu finden sind – insbesondere – sofern möglich – in der Zeit von ca. 10-14 Uhr, denn dann kann ich einen ziemlich sehnsüchtigen Blick auf die “Color Magic” oder “Color Fantasy” der Color Line werfen. Aber für die weitergehende “Verfolgung” der Schiffe mittels AIS (Automatisches Identifikations-System) habe ich dann doch meistens keine Zeit. Es ist noch nicht allzu lange her (genauer werde ich aus Datenschutz-Gründen nicht gehen), da hatte ich aber doch mal wieder etwas Zeit und auch die Lust, mein eindeutiges Lieblingsschiff, die “Color Magic” über eines der verfügbaren AIS-Online-Systeme (z.B. marinetraffic) im Internet für einige Stunden zu verfolgen.
In diesem Fall lief die “Color Magic” um 14 Uhr auf ihrem Weg nach Kiel in Norwegens Hauptstadt – Oslo – aus und da ich die Strecke über die rund 2 Jahrzehnte, die mich meine Wege schon nach Norwegen geführt haben, eigentlich fast im Schlaf kenne, weiss ich recht genau, was je nach dessen Position so rund um das Schiff zu sehen ist, speziell natürlich z.B. im Oslo-Fjord. Und so kann man auf der Karte sehen, wo das Schiff gerade ist, schliesst seine Augen und mit etwas Glück sieht man vor seinem inneren Auge verschiedene Bilder und Eindrücke, die man auf seinen Reisen dort jeweils gemacht hat.. man kann förmlich die salzhaltige Luft riechen, hört das Schreien der Möwen, die das Schiff umkreisen, wird von der Sonne geblendet und lauscht dem leisen Gemurmel des Wassers und der Stimmen der anderen Passagiere..
Die Motoren starten, das Schiff verlässt rückwärts den Kai, dreht dabei leicht nach Steuerbord (wobei.. genau genommen geht der Bug ja nach Backbord.. dummerweise weiss ich gar nicht genau, wie sich das verhält, wenn ein Schiff rückwärts fährt.. falls jemand eine Idee hat, gerne in die Kommentare schreiben
) und nach etwas mehr als einer viertel Drehung geht es dann mit Blick auf die Insel Bygdøy mit dem Fram und Kon-Tiki Museum langsam vorwärts. Vorbei an der kleinen Kappelle verlassen wir den Hafen und langsam auch Oslo.. eine knappe Stunde später kommt man an den zwei verbundenen Inseln Karholmen und Oscarborg vorbei, auf der sich die gleichnamige Festung befindet, wo auch noch heute die Mündungen schwerer Geschütze klar machen sollen, dass es einem im Zweifelsfall nicht so einfach gemacht wird, per Schiff nach Oslo zu kommen, sollte man böses im Schilde führen.
Nach ca. einer weiteren halben Stunde zieht sich die Uferlinie in Höhe von Ramsvik langsam zurück und nach rund 3 Stunden Fahrtzeit verlässt man dann in der Höhe von Sønstegård den Oslofjord und fährt ins Skagerrak.
Hier kann es dann auch durchaus mal etwas rauer zugehen, da man nun für einige Stunden nicht nur den Kräften der Ostsee ausgesetzt ist, sondern auch die Nordsee noch einen nicht unbeträchtlichen Einfluss hat. Das kann, muss aber nicht dann wieder etwas besser werden, wenn man weitere ca. vier bis viereinhalb Stunden später auf Höhe von Jütland (Nordspitze Dänemark) so langsam das Kattegat erreicht.
Zeitlich so zwischen 22:00 und 22:30 Uhr bemerkte ich dann plötzlich mehr zufällig, dass die “Color Magic” ihren Kurs geändert und nicht mehr auf dem Weg nach Kiel, sondern Kurs auf Göteborg genommen hatte. Irritiert und neugierig beobachtete ich das Geschehen und nur einige Minuten später konnte man das Zeichen für einen SAR-Rettungshubschrauber erkennen, das mit hoher Geschwindigkeit direkten Kurs auf das Schiff nahm. Der Rendevouz-Punkt lag noch weit vor der Küste von Schweden, so dass die Color Line Luxus-Fähre gar nicht allzu weit abseits ihres normalen Kurses gekommen war. Für einige Zeit (ca. 10-15 Minuten) hatte man dann ein Bild ähnlich dem oben im Text befindlichen (wie üblich durch Anklicken vergrösserbar), d.h. beide Fahrzeuge waren mit rund 9 Knoten zusammen unterwegs. Das sie teilweise auf der Karte nicht die gleiche Position eingenommen haben liegt einfach an einer zeitlichen Ungenauigkeit, wann die Daten pro Fahrzeug übermittelt werden.
Kurz bevor der Hubschrauber dann wieder gestartet ist, schwenkte die “Color Magic” wieder auf Südkurs und began langsam die Geschwindigkeit zu erhöhen. Natürlich habe ich den SAR-Hubschrauber erst einmal weiter verfolgt
, der mit rund 180 Knoten (mehr als 300 km/h) zurück nach Göteborg zum Sahlgrenska Universitetssjukhuset geflogen ist.
Das Schiff hatte inzwischen “alle Segel” gesetzt und fuhr mit Höchstgeschwindigkeit wieder auf dem alten Kurs Richtung Kiel. Kurze Zeit später sind sich die “Color Magic” und die “Color Fantasy” (auf Nordkurs) dann noch begegnet und es wurde so langsam Zeit für mich, den Weg in mein Bett zu finden.
Vielleicht halten mich einige Leute für verrückt, aber für mich hatte dieser kleine “Ausflug” fast etwas reales und in jedem Fall hat es mir einen Abend voll von wunderschönen Erinnerungen beschert. Und soweit ich mich erinneren kann, hab ich selbst so einen Rettungseinsatz noch nicht erlebt, ich weiss auch nicht, wie oft so etwas stattfindet. Bedauerlicherweise hat die Color Line, die ich kurz zu dem Thema “angepingt” hatte, leider auf meine Anfrage nicht reagiert, aber ich kann durchaus verstehen, dass man solche Dinge wahrscheinlich auch nicht unbedingt so an die grosse Glocke hängen will. Geht letztlich auch keinen etwas an und sind wir froh, dass es solche Möglichkeiten heute gibt und ich hoffe, wem oder was auch immer da etwas passiert ist, dass es gut ausgegangen ist!
In jedem Fall – und da war ich ehrlich ein kleines bisschen gespannt – lag die “Color Magic” am nächsten Morgen pünktlich gegen 10 Uhr am Norwegenkai in Kiel.. Respekt!
Schlagworte: AIS, Color Fantasy, Color Line, Color Magic, Norwegen, SAR

[...] auf und weiss gleich, dass man irgendwas anfangen muss mit diesem Tag, da will man nicht nur “mit dem Finger über die Landkarte” wandern. Sicher.. ich hätte nen faulen einlegen können oder irgendwas zusammen bauen oder [...]
[...] sondern dies ist mir eigentlich erst dann aufgefallen, als ich im Juni mal etwas entdeckte (Bericht dazu) und über Twitter bei Color Line anfragte, ob meine Deutung denn richtig gewesen sei. Unter uns.. [...]